Beelitz –  Die Vorbereitung

Meine Ma erfreute mich zu meinem Geburtstag mit einer Phototour. Die Wahl des Ziels lag bei mir. Und weil ich schon länger mit den Heilstätten liebäugelte, wollte ich natürlich da hin. Da die Heilstätten nach und nach renoviert und modernisiert werden, ist die Zeit knapp. Also war ich letztes Jahr im Oktober an einem sonnigen Herbsttag in Beelitz zur einer ganztägigen Tour durch den Teil des Männer-Sanatorium.

Ich starte nun hiermit eine kleine Serie von Artikeln um die Bilder nach und nach zu zeigen.

Dieser Artikel ist der erste der Reihe über meine Bilder von dem Männersanatorium der Beelitz-Heilstätten.

Die eintägige Phototour wurde von Go2Know (https://www.go2know.de/) organisiert und durchgeführt. Ich hab in meiner Pause zu Mittag mit einen der Geschäftsführern gesprochen, der erklärte, dass er selber Theater- und Eventphotograph ist und selber Gefallen daran fand, sich verlassene Orte anzusehen und zu photographieren. Er macht aus dem Interesse eine Geschäftsidee und nun gibt es Orte in Deutschland verteilt, die sie für interessierte Photographen zugänglich machen und einen Tag begleiten, damit sie Bilder machen können.

Die Sicherheitsregeln sind simpel gehalten:
Absperrbänder sind da, um Teile abzusperren und die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten. Man sollte sich nicht erschrecken, wenn Teile von der Decke runterfallen. Ansonsten wurde einem angeraten, mit Bedacht zu gehen und aufzupassen, wo man hin schreitet und nicht ohne Licht in dunkle Räumlichkeiten, wie Keller, hineinzugehen. Ansonsten sollte man sich wohlfühlen und Spaß haben.

Für mich hat das gut funktioniert.

Ich hab mir natürlich vorher auch Gedanken gemacht, welche Ausrüstung ich nutzen möchte. Meine Wahl viel auf die Pentacon Six TL (P6). Ich hatte Bock, die Gegend und hinterbliebene Architektur im Mittelformat aufzunehmen. Die Auswahl der Filme fiel mir sehr leicht. Ich nutzte den Kodak Trix 400, den belichtete ich bei EI 800 und entwickelte die Filme dann mit push +2. Ich mag das daraus resultierende SW und am Ende zeigte sich, dass die Wahl gut war. Ich habe sieben Rollen mitgenommen.

Ich muss aber auch eben gegenüberstellen, dass Farbfilme auch sehr passen würde. Vielleicht sollte man über Diafilme nachdenken, denn die Farben sind teils wunderschön. Und wenn man dann im Frühling oder Herbst die Beelitz-Heilstätten besuchen kann, ergeben die noch vorhandenen Farben der Architektur und das Sonnenlicht wunderbar schöne Farbkombinationen.

Für meine P6 hab ich zu Hause drei Linsen. 50mm, 80mm und 120mm. Die hab ich dann auch alle mitgenommen. Somit fühlte ich mich dann als Packesel, da natürlich noch ein Stativ dazu gekommen ist. Selbst bei EI 800 hat man lange Belichtungszeiten von länger als 1/30.
Die Herausforderung war dann mit dem Gepäck vorsichtig durch die Gebäude zu gehen, denn man bringt dann schon einiges an Gewicht mit sich. Dennoch hat sie gezeigt, dass die Gebäude noch stabil genug machen.

Ich habe noch zusätzlich meine digitale Nikon mit einem 35mm Objektiv mitgenommen, um Panoramen zu erstellen. Das 50mm Objektiv im Mittelformat ist ungefähr vergleichbar mit einem 35mm im Kleinbildformat. Das ist aber schon eng, wenn man einen großen Raum in seiner Gänze photographieren möchte. Dafür hab ich dann bis zu 50 Bilder mit der digitalen Kamera gemacht, die ich dann nach und nach zu einem ganzen Bild zusammensetze. Die Wirkung ist bombastisch.

Ich muss mir merken, dass ich ein Weitwinkel-Objektiv für die Pentacon Six suchen muss.

Wärend der Pause kam ich mit einem Pärchen aus dem Ruhrpott ins Gespräch. Sie sind mit meiner Rolleiflex unterwegs gewesen und wir tauschten uns angeregt über die Kameras und Filme aus. Ich hab von ihnen einen Ilford FP4 125 bekommen. Sie bekamen von mir einen Kodak Trix. Wir haben uns damit die Möglichkeit gegeben, mal einen Film zu probieren, den wir so nicht kaufen würden. Diese Art des Austausch finde ich immer gut. Er bringt einen weiter und sorgt für Ideen, auf die man alleine sonst nicht kommen würde.

Wir waren vermutlich so um die 50 Teilnehmer. Wir haben uns vom Männersanatorium das Waschhaus, die Schlachterei und Kesselhaus, das Badehaus und die eigentlichen Sanatorien angesehen. Natürlich sind auch die Objekte präsentiert worden, die man so kennt, die den Behandlungsstuhl und ein/zwei Essensräume und der große Saal mit der Bühne. Ich muss ehrlich sagen, viele Photographen sind mir nicht vor die Linse gekommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich konträr zu den anderen die Häuser “abgearbeitet” habe.

Ich bin in ein Haus hineingegangen und habe den Weg nach oben gesucht, soweit man gehen durfte. Dabei hab ich mir das Haus so gut es ging in der Gänze angesehen. Als ich oben war, hab ich angefangen zu photographieren und bin dabei Stockwerk für Stockwerk tiefer gegangen und war am Ende wieder beim Eingang. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr als einen Film pro Haus zu belichten; 12 Impressionen pro Haus. Das ist schon anspruchsvoll (wenn man von den Panoramen absieht).

Am Ende sind 6 Filme dabei belichtet worden; der Ausschuss blieb gering. Die Ansicht, was interessant sein könnte, variiert von Teilnehmer zu Teilnehmer schon sehr. Am Ende kurz vor Schluss bin ich mit zwei Damen aus Bremen ins Gespräch gekommen und merkte, dass deren Augenmerk schon ein ganz anderer war. Ich finde es interessant, wie unterschiedlich man die Institution betrachten kann. Ich habe mir vorgenommen, das nächste mal zu versuchen, mit ein einer Photographin/einen Photographen zusammen zu gehen.

Summar sumarum bleibt mir noch zu schreiben, dass ich diese Touren empfehle. Man hat geschützt und im Recht die Möglichkeit, Gebäude und Einrichtungen zu betrachten, die man sonst so nicht besuchen und ansehen darf. Wenn man zudem photographiert, hat man in der Regel viele schöne und interessante Motive, mit denen man gute Ergebnisse schaffen kann. Dabei sind keine Grenzen gesetzt, wenn man sich für die “Lost-Places” interessiert.

Ich werde das zu gegebener Zeit wieder machen, alleine schon um Dinge zu sehen, die man sich sonst nicht ansehen kann.

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